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Alternativen zum Libanon und der Türkei

Allgemein

Unter den Flüchtlingen kursieren wilde Gerüchte, wie der Familiennachzug schneller zu schaffen ist. Schließlich sind die Wartezeiten von über einem Jahr für viele fast unerträglich. Eine Alternative zu Beirut oder der Türkei sind im Prinzip alle Länder, die eine deutsche Botschaft haben. Doch es gibt kaum mehr ein Land, für das Syrer einfach ein Touristenvisum bekommen.

Wichtig

Wichtig ist: Alle deutschen Botschaften – außer die Konsulate und Botschaften in der Türkei – akzeptieren nur in Beirut legalisierte syrische Dokumente mit Übersetzung. Bevor sich die Familie also auf den Weg macht, müssen die Dokumente fertig sein. Nachträglich noch Dokumente zu beschaffen und zu legalisieren, kann extrem aufwändig sein. Ob eine Legalisation syrischer Dokumente in Erbil möglich ist, ist hier noch nicht geklärt.

Erbil/Irak

Seit Mai 2016 nimmt das Deutsche Konsulat in Erbil/Irak nicht nur Anträge von ortsansässigen Irakern an, sondern auch von Syrern. Voraussetzung sei, dass sich die Familie in der Nähe von Erbil oder der Provinz Dohuk aufhalte. Wenn sie sich noch in Syrien befänden, sei keine Terminvereinbarung möglich, hieß es zunächst – eine Auskunft, die wenig später wieder revidiert wurde. Inzwischen werden auch Anfragen von Syrern angenommen, die sich in Syrien aufhalten.

Wie für die Termine in der Türkei übernimmt der türkische Dienstleister iDAta die Terminvergabe (bitte unter der Rubrik „Türkei“ auf dieser Seite nachlesen, wie das abläuft, und zwar nach dem bis zum 22. Juni 2016 praktizierten Verfahren per Telefon). Es gibt eine eigene Telefonnummer: +90 212 970 8448. Die Wartezeiten in Erbil waren anfangs deutlich länger als in Beirut. Derzeit liegen sie jedoch nur bei etwa zwei Monaten.

Erbil dürfte vor allem für im Nordosten Syriens lebende Syrer wesentlich einfacher zu erreichen sein als die Türkei.

Informationen zur Terminvereinbarung gibt es >http://iraq.idata.com.tr/en/content/national_visa.html

Zu beachten ist: Es darf angeblich parallel über iData NICHT noch ein Termin in der Türkei vereinbart sein. iData könnte das theoretisch bei der Buchung abprüfen – Buchungen scheinen aber dennoch zu funktionieren. Eine parallele Terminvereinbarung in Beirut ist hingegegen erfahrungsgemäß kein Problem.

Sudan

Immer wieder angefragt wird der Sudan, wo Syrer angeblich ohne Probleme einreisen können. Doch das löst das Problem nicht. Die Deutsche Botschaft in Khartum schreibt dazu wie folgt:

„Antragsberechtigt sind Personen, die ihren gewöhnlichen Aufenthalt im Sudan haben. Bei der Bewertung des gewöhnlichen Aufenthalts kommt darauf an, ob die betreffende Person sich an einem Ort oder in einem Gebiet unter Umständen aufhält, die erkennen lassen, dass sie an diesem Ort nicht nur vorübergehend verweilt. Es kommt zunächst darauf an, ob eine gewisse Verfestigung des Aufenthalts im betreffenden Land besteht. Von einer solchen Verfestigung ist dann auszugehen, wenn sich der Ausländer bereits seit sechs Monaten an dem betreffenden Ort aufhält. Bereits bei der Bitte um Terminvergabe muss der Nachweis des gewöhnlichen Aufenthalts erbracht werden. Dies trifft sowohl für Antragssteller ohne Sudanesische Staatsangehörigkeit wie auch für Sudanesische Staatsangehörige mit Wohnsitz außerhalb des Sudan zu. Wird der Nachweis nicht erbracht und/oder hat der/die Antragssteller(in) keinen gewöhnlichen Aufenthalt im Sudan, wird kein Termin vergeben. Der Nachweis kann durch Übersendung des Aufenthaltstitels für den Sudan und der entsprechenden Datenseite im Pass erbracht werden. Sollte kein gewöhnliche Aufenthalt im Sudan bestehen, wird auf Grund der örtlichen Unzuständigkeit der Botschaft durch Bitte um Terminvergabe die 3-Monats-Frist NICHT gewahrt. Antragssteller mit gewöhnlichem Aufenthalt in einem anderen Land als dem Sudan, wenden sich bitte an die für sie zuständige Auslandsvertretung. Alle Informationen zum Visumverfahren sind auf der website der Botschaft eingestellt. Bitte informieren Sie sich dort zum Vorgehen für die Terminvergabe und Visumbeantragung.

Zum Sudan haben wir nun eine praktische Erfahrung: Nach Ablauf der sechs Monate Aufenthaltsfrist wurde für eine Syrerin ein Termin beantragt. Die Antwort der Botschaft kam zwar prompt, aber der Termin ist erst in 8 (!) Monaten. Der Sudan ist also KEINE Alternative, um den Nachzug schneller zu machen.

Tansania

Grundsätzlich ist über deutsche Botschaft in Daressalam ein Familiennachzug möglich. Voraussetzung ist, dass es gelingt, über das Online-Terminvergabesystem einen Termin zu buchen. Neue Termine werden wohl nur gelegentlich freigeschaltet, wenn freie Kapazitäten vorhanden sind.

Tunesien

In der deutschen Botschaft in Tunis können Syrer ohne Termin ein Visum für den Familiennachzug beantragen. Für die Einreise nach Tunesien benötigen sie aber ein Visum. Nach Angaben der deutschen Botschaft in Tunis erteilen die tunesischen Behörden derzeit keine neuen Visa für Syrer.

Malaysia

Eine Möglichkeit schien lange die Ausreise über Malaysia zu sein. Syrer können angeblich ohne Probleme dorthin einreisen. Die Schwierigkeit waren die hohen Flugkosten von bis zu 1.000 Euro pro Person von Beirut nach Kuala Lumpur und schließlich von Kuala Lumpur nach Frankfurt. Inzwischen nimmt die Botschaft aber auch nur noch Anträge von Syrern an, die mindestens sechs Monate in Malaysia gelebt haben.

Indonesien

Termine in Jakarta sind nicht zu empfehlen. Anfang Mai 2016 wurde einer syrischen Familie, die mit gültigen Visa für Indonesien nach Jakarta geflogen ist, von den indonesischen Behörden die Einreise verweigert und sie wurden zwangsweise in ein Flugzeug zurück nach Beirut gesetzt. Die deutsche Botschaft in Jakarta teilte mit, dass sie leider nichts tun könne und diese Willkür bedauerlicherweise kein Einzelfall sei.

Weitere Länder

Eine Ausreise ist selbstverständlich auch über weitere Länder wie Marokko, Saudi-Arabien, Jordanien, Algerien, Ägypten,…. möglich – sofern sich die Familien dort bereits aufhalten. Meist wird ein Termin benötigt, wobei die Wartezeiten in der Regel viel kürzer sind als in der Türkei oder dem Libanon.

In der Regel müssen sich die Familien mindestens ein halbes Jahr im Land aufhalten, damit sie einen Termin erhalten oder wahrnehmen können. Erst nach sechs Monaten gehen die Botschaften davon aus, dass jemand seinen „ständigen Aufenthalt“ im jeweiligen Land hat. Bei kürzerem Aufenthalt kann es sein, dass die Botschaft die Annahme des Antrags verweigert und sich für nicht zuständig erklärt.

Auf den Internetseiten der deutschen Vertretungen finden sich in manchen Fällen Informationen, unter welchen Bedingungen die Botschaft Anträge von Flüchtlingen aus Drittländern annimmt. In Zweifelsfällen muss grundsätzlich VORAB mit der Visastelle der jeweiligen Botschaft geklärt werden, ob eine Visabeantragung möglich ist.

familiennachzug/alternativen_zum_libanon_oder_tuerkei.txt · Zuletzt geändert: 2017/10/27 22:30 von uller