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Ausreise über den Libanon

Es gibt zwei übliche Wege, um die syrische Familien nach Deutschland zu holen: über die Türkei oder über den Libanon. Die Türkei ist von Syrien aus inzwischen kaum mehr zu erreichen. Es ist daher meist nur eine Option, wenn sich die Familie bereits dort aufhält. Für die meisten Familien ist Beirut daher die einzig praktikable Variante. Die Deutsche Botschaft Beirut hat ihre Kapazitäten zur Bearbeitung von Visumanträgen für Angehörige von Schutzberechtigten aus Syrien bereits mehrfach erhöht. Dennoch sind die Wartezeiten noch immer fast unerträglich lang. Gerechnet werden muss derzeit mit Wartezeiten von einem Jahr.

Terminvereinbarung

Eine Terminvereinbarung ist derzeit AUSSCHLIESSLICH über die sogenannte Terminliste 2 möglich (mit einer Ausnahme – siehe nächster Abschnitt). Die E-Mail-Adressen familiennachzug.syrien@auswaertiges-amt.de beziehungsweise familiennachzug.syrien@diplo.de dürfen KEINESFALLS mehr verwendet werden.

Die Terminliste 2 wird erreicht über https://service2.diplo.de/rktermin/extern/choose_categoryList.do?locationCode=beir&realmId=320

Hier muss die Kategorie „Terminliste“ angewählt werden.

Nach Eingabe des Captcha-Codes kommt man auf die Terminliste.

Zur Eintragung werden folgende Informationen benötigt:

  1. Vorname und Name des nachziehenden Angehörigen
  2. Passnummer
  3. Geburtsdatum und -ort
  4. Vorname und Name des Schutzberechtigten in Deutschland (keine Passnummer erforderlich)
  5. E-Mail-Adresse
  6. Palästinenser ja oder nein?
  7. Subsidiärer Schutz ja oder nein?
  8. die id-Nummer bleibt bei der ERSTEN Person einer Familie leer (weitere Angehörige s. unten)

Die Frage „Palästinenser ja oder nein?“ hat folgenden Hintergrund: Palästinenser haben häufig Probleme bei der Einreise in den Libanon, auch wenn sie einen Botschaftstermin vorweisen können. Klickt man hier „Ja“ an, bestätigt die Deutsche Botschaft den libanesischen Behörden in einer separaten Meldung, dass der betroffene einen Termin hat. Die Grenzposten haben bei etwaigen Problemen dann eine entsprechende Bestätigung.

Bei der Frage nach Subsidiärem Schutz unbedingt „Nein“ anwählen (sofern nicht tatsächlich nur ein subsidiärer Schutz vorliegt)! Sonst bekommt der betreffende auf jeden Fall einen Termin nach dem 16. März 2018, wenn die Frist abgelaufen ist, bis zu der subsidiär Schutzberechtigte KEIN Recht auf Familiennachzug haben.

Wenn alle Felder korrekt ausgefüllt sind – unbedingt vorher nochmal prüfen, nachträgliche Änderungen sind nicht möglich – dann auf „Speichern“ klicken. Dann erscheint die Bestätigungsseite mit einer id-Nummer. Etwa 15 Minuten später wird automatisch eine E-Mail an die angegebene Adresse gesandt mit einer weiteren Bestätigung, die nochmals die id-Nummer enthält. Wer später nochmal sehen will, ob alles richtig eingegeben wurde, sollte direkt vor dem Speichern noch einen Screenshot oder ein Handyfoto von der Seite machen, denn die Bestätigungsmail zeigt außer dem Namen keine der eingegebenen Daten.

Ganz wichtig bei Familien: Hier fängt man mit der ältesten Person (meist die Mutter) an und füllt die Terminliste aus. Das Feld mit der id-Nummer bleibt leer. Nach dem Speichern notiert man sich die dann auf der Bestätigungsseite erscheinende id-Nummer, die wie erwähnt auch per E-Mail versandt wird. Bei Familien muss nun bei ALLEN WEITEREN Familienangehörigen beim Eintragen auf die Terminliste genau diese id-Nummer eingetragen werden. Nur dann bekommt die Familie einen einheitlichen Termin. Die nach dem Speichern vergebenen id-Nummern der anderen Familienmitglieder sind übrigens NICHT identisch mit der des ersten Angehörigen. Sie haben auch keinerlei weitere Bedeutung.

Ausnahme "sonstige Angehörige"

Die Terminliste zwei ist Termine zum Nachzug der Kernfamilie vorgesehen, zu der Vater, Mutter, Kinder unter 18 Jahren gehören. Soll ein Visum für andere Familienmitglieder beantragt werden, muss der Termin über eine separate Terminliste http://service2.diplo.de/rktermin/extern/choose_category.do?locationCode=beir&realmId=320&categoryId=1347 für sonstige Angehörige gebucht werden.

Das betrifft auch Fälle, bei denen beispielsweise zur Familie minderjährige Kinder plus die 19-jährige Schwester geehören. Dann muss für die minderjährigen Kinder über die Terminliste 2 gebucht werden, für die große Schwester hingegen über die Terminliste für sonstige Angehörige. Die Chancen für einen Familiennachzug sind für diese ohnehin gering.

Langes Warten

Ist die Anfrage zum Termin auf dem Weg, heißt es erst einmal warten. Mehr als die Bestätigungsmail, die bescheinigt, dass man auf der Liste steht, gibt es zunächst einmal nicht. Bis die ersehente Mail mit dem eigentlichen Termin kommt, ist nach Angaben der Botschaft in Beirut mit Wartezeiten von 9 bis 11 Monaten zu rechnen.

Auffällig ist, dass die Zeit zwischen Terminmail und dem eigentlichen Termin sehr kurz sein kann: Oft sind es nur 8 bis 14 Tage, bis der Termin dann stattfindet. Es ist daher wichtig, die lange Wartezeit zu nutzen, um alle Dokumente bis ins letzte Detail vorzubereiten.

Grundsätzlich ist festzuhalten: Wer bereits viele Termine in Beirut gebucht hat, muss feststellen, dass die Reihenfolge strikt eingehalten wird. Es sind keine Fälle bekannt, in dem jemand einen anderen überholt hat, der eigentlich früher dran war. Das für viele eine ganz wichtige Feststellung, denn oft taucht die Frage auf, ob es denn bei der Terminvergabe auch gerecht zugehe. Viele Flüchtlinge sind was diese Gerechtligkeit angeht, gebrannte Kinder, als sie erlebt haben, wie unterschiedlich schnell ihre Asylanträge bearbeitet wurden.

Die Chance: Termin bereits vor der Anerkennung buchen

Beim alten Terminvergabesystem per Mail musste der Anerkennungsbescheid mit versandt werden, um einen Termin zu erhalten. Bei der neuen Terminbuchung über die Terminliste 2 muss nur noch der Name des Schutzberechtigten eingegeben werden. Das hat den großen Vorteil, dass bereits vor der Anerkennung Termine gebucht werden können. Das kann eine große Chance sein, die gesamten Wartezeiten zu verkürzen – kann natürlich auch daneben gehen, wenn die Anerkennung beim Termin dann doch noch nicht da ist oder wenn der Schutzberechtigte nur subsidiären Schutz erhält. In jedem Fall sollte der Termin bei der Botschaft trotzdem wahrgenommen werden – man bekommt dann die Chance, den Anerkennungsbescheid später nachzureichen. Beim subsidiärem Schutz wird der Antrag auf Visaerteilung gleich abgelehnt, man hat jedoch die Chance, nach Ablauf der Nachzugs-Sperrfrist am 16. März 2018 eine Wiederaufnahme des Visumverfahrens zu erreichen – ohne neuen Termin. Nachdem die Wartezeiten auf den Termin aber ohnehin bei mehr als einem Jahr liegen dürften, ist dieser Fall spätestens ab März 2017 ohnehin nicht mehr relevant.

Warnung vor Terminkauf

Von Flüchtlingen hören wir, dass immer mehr Familien, die einen Termin in Beirut beantragt haben, dubiose Mails bzw. Nachrichten auf das Handy bekommen, dass sie einen Betrag zwischen € 500 und € 3.000 zahlen sollen, um die Familienzusammenführung zu beschleunigen. Die Absender sind wohl illegal an die Adressen der Antragssteller gelangt. Von einer Zahlung kann nur dringend abgeraten werden. Weitere Informationen zum vermeintlichen Handel mit Terminen stehen auch unter der Rubrik „Unbedingt bedachten!“

familiennachzug/ausreise_ueber_den_libanon.txt · Zuletzt geändert: 2017/10/27 23:32 von uller