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familiennachzug:reisen_vor_und_nach_der_anerkennung

Reisen vor und nach der Anerkennung

Grundvoraussetzung

Asylbewerber dürfen ihren zugewiesenen Landkreis nur mit vorheriger Erlaubnis der Ausländerbehörde verlassen, ergo: vorher Erlaubnis der Ausländerbehörde einholen und Schriftstück mitführen. Anderenfalls: Zuwiderhandlung beim ersten Mal = Ordnungswidrigkeit, im Wiederholungsfall: Straftat (es gibt Fälle von Urteilen mit 50 Tagessätzen à 5 €). NACH der Anerkennung kann mit gültigem deutschen Aufenthaltstitel ohne vorherige Zustimmung der Ausländerbehörde verreist werden.

EU-Schengen-Raum

Sämtliche EU-Staaten müssen die nationalen Aufenthaltstitel anderen EU-Nationalstaaten für Reisezwecke (!) anerkennen und die „Aufenthaltsgenehmigung zur Durchführung des Asylverfahrens“ (welch sperriges Wort) ist ein solcher nationaler dt. Aufenthaltstitel. Mitzuführen sind Pass & Aufenthaltstitel Warum ist das wichtig: Zum Reisen braucht man auch noch ein sog. Grenzübertrittspapier, also Pass/ ersatzweise Personalausweis/EU-ID-Karte. Ein deutscher Personalausweis scheidet im Falle unserer Flüchtlinge wohl aus, somit muss zwingend der Pass mitgeführt werden. Anerkannte Flüchtlinge ohne z.B. syrischen Pass können daher nicht reisen, denn die ID-Karten aus dem arabischem Raum sind als „Grenzübertrittspapier“ im EU-Raum nicht zugelassen. Dies gilt nur für die Länder des Schengen-Raums. Achtung! Großbritannien gehört z.B. nicht dazu!

Nicht-EU-Schengen-Länder

Ganz anders sieht das Ganze für die Nicht-EU-Schengen-Länder aus. Reisen ins Heimatland verbieten sich für Asylbewerber von selbst. Alle anderen Länder haben unterschiedliche Visa-Regelungen zur Einreise eines Dritt-Ausländers, je nach Nationalität des Reisepasses. Das kann man am besten auf der Homepage der Botschaft des Zielreiselandes recherchieren. Da kommen dann bei der Einreise in das Zielland in Frage:

  • vorherige Beantragung des Visas mit Einschicken des Reisepasses zur Botschaft in Berlin/ggf. Konsulat
  • E-Visa (Online-Antragstellung und Mitführen des Ausdruckes des Antrages mit QR-Code)
  • Flughafenvisum

Türkei

Ausgangslage: Es besteht für syrische Reisende in der Türkei Visumspflicht mit vorheriger Beantragung bei einer Botschaft/Konsulat. Kosten ca. € 60 pro Person. Diese werden bei Ablehnung des Antrags nicht erstattet. Im Falle der syrischen Staatsangehörigen besteht aktuell aufgrund der politischen Großwetterlage wohl kaum eine Chance auf ein Visum. Aus Sicht der Türkei besteht die Möglichkeit, dass die Antragsteller in der Türkei Asyl beantragen, doch dann kommen sie, aus Sicht der Türkei, aus einem „sicheren Drittland“, nämlich Deutschland. Für ein Touristenvisum reicht es auch wieder nicht, weil dem eine „Glaubhaftmachung der touristischen Gründe“ (Hotel-Voucher, Flugticket, touristischer Zweck/Ziel etc) auf tönernen Füßen steht. Und überhaupt vergibt die Türkei keine Visa an Flüchtlinge aus Deutschland, die im Sinne der Türkei Drittausländer sind, solange der Flüchtlingsdeal mit allen Folgemaßnahmen der EU „nicht in trockenen Tüchern ist“, so eine Aussage von der Visastelle der türkischen Botschaft. Unter Folgen versteht die Türkei dann wohl die Visafreiheit für Türken mit perspektivischer EU-Mitgliedschaft.

familiennachzug/reisen_vor_und_nach_der_anerkennung.txt · Zuletzt geändert: 2016/11/27 12:51 von uller